Mit dem Eucell Gesundheitsbrief informiert uns Dr. med. Werner G. Gehring über unterschiedlichste Themen aus dem Gesundheitsbereich. Folgende Themen erwarten Sie in dieser Ausgabe: Erneut belegt: Wer wenig schläft, hat mehr Appetit // Wasserpfeifen-Raucher gefährden sich und passive Mitraucher // Stiftaufbauten // Besserer Lernerfolg durch Sport // Gesundes Herz-Kreislauf-System dank Radfahren // Das Struwwelpeter-Syndrom – warum lassen sich manche Kinderhaare nicht bändigen? // Modeschmuck mit Blei und Cadmium belastet

Gesundheit und Prävention

Erneut belegt: Wer wenig schläft, hat mehr Appetit

Immer wieder kommt die Frage auf, ob Schlafmangel ein Risikofaktor für Übergewicht sein könnte.

Erneut konnten Wissenschaftler in London aktuell belegen, dass es mit dieser These tatsächlich etwas auf sich hat: Übermüdete Menschen versuchen, sich mit Essen bei Laune zu halten und greifen dabei auf weniger ausgewogene Lebensmittel zurück.  

Untersucht wurden fast 500 Menschen im Alter zwischen 18 und 50 Jahren. Als Schlafentzug wurde ein Nachtschlaf von höchstens 5,5 Stunden definiert. Eine Kontrollgruppe bekam die Gelegenheit, bis zu 12 Stunden zu schlafen, während die andere höchstens 5,5 Stunden schlief.

Im Ergebnis zeigte sich wieder einmal, dass Personen, deren Schlaf mangelhaft war, im Durschschnitt täglich fast 400 Kilokalorien mehr verzehrt hatten als die ausgeschlafenen Mitstreiter. Die Speisen der übermüdeten Teilnehmer zeichneten sich zudem durch einen höheren Fett- und minderen Eiweißgehalt aus.

Des Weiteren konnte belegt werden, dass Menschen sowohl mit wenig als auch mit ausreichend Schlaf nahezu den gleichen täglichen Kalorienverbrauch haben. Dies ist auch eine mögliche Erklärung dafür, dass übermüdete Menschen eher gefährdet sind, übergewichtig zu werden.

Neben ausreichender körperlicher Bewegung und ausgewogener Ernährung ist folglich auch ausreichender Schlaf ein wichtiger Eckpfeiler für ein gesundes Körpergewicht.

Wasserpfeifen-Raucher gefährden sich und passive Mitraucher

Das Rauchen von Wasserpfeifen wird oft als harmlose und risikofreie Alternative zum Nikotin-Rauchen angesehen. Doch laut Aussage des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in München handelt es sich dabei um eine irrtümliche Annahme.

Die Wasserpfeife setzt Kohlenmonoxid, kanzerogene Stoffe wie PAKs, Nitrosamine und Benzol sowie feine und ultrafeine Stoffe frei. Dieser Qualm schädigt insbesondere in geschlossenen Räumen nicht nur den Raucher selbst, sondern auch die passiven Mitraucher, so lauten entsprechende Berichte von Toxikologen.

Herz-, Lungen- und Blutgefäße können durch das aktive und passive Wasserpfeifen-Rauchen geschädigt werden. Weitere mögliche krebserregende Wirkungen werden angenommen und bedürfen einer näheren Untersuchung. Nicht zuletzt darf auch das durch die Wasserpfeife hervorgerufene Suchtpotential nicht außer Acht gelassen werden.

Um die derzeitig bekannten Gesundheitsrisiken auszuloten und auf entsprechende Risiken hinzuweisen, fordern Experten, dass das Rauchen von Wasserpfeifen dem Zigaretten-Rauchen aus rechtlicher Sicht gleichgestellt wird. Somit würde das Rauchen in öffentlichen Räumen auch strenger geregelt werden. Zudem müsse die Verarbeitung von möglichen gesundheitsgefährdenden Inhaltsstoffen von Wasserpfeifen-Tabak besser kontrolliert und mit entsprechenden Warnhinweisen auf den Verpackungen versehen werden.

Grundsätzlich sei eine bessere Aufklärung zu den Gesundheitsrisiken – vor allem bei den Jugendlichen – erforderlich. Betroffenen einer Erkrankung der Lunge oder des Herz-Kreislauf-Systems sowie Schwangeren müsse ganz vom Wasserpfeifen-Rauchen, sowohl aktiv als auch passiv – abgeraten werden. Vor dem Hintergrund möglicher Nebenwirkungen werden weitere Studien gefordert, die noch eindeutigere Aussagen geben können.

Zahngesundheit und Zahnästhetik

Stiftaufbauten

Mit Hilfe eines Stiftaufbaus werden wurzelkanalbehandelte Zähne, deren natürliche Zahnkrone stark zerstört ist, wieder aufgebaut, so dass sie im Anschluss mit einer Krone versorgt und dadurch erhalten werden können.

Ist die natürliche Krone eines Zahnes weitgehend zerstört, so ist mitunter nicht genügend Restzahnsubstanz vorhanden, um eine künstliche Krone daran zu befestigen. Grundvoraussetzung für einen Stiftaufbau ist ein wurzelkanalbehandelter Zahn, in dessen Wurzel der Stift verankert wird.

Die Form eines indirekt im zahntechnischen Labor gefertigten Stiftaufbaus oder Materialien, mit denen ein direkt gesetzter Stift verkleidet wird, ermöglichen, einen künstlichen Zahnstumpf aufzubauen, der wiederum für die Aufnahme einer Teil- oder Vollkrone präpariert (beschliffen) werden kann.

Auf diese Weise kann der stark zerstörte Zahn erhalten werden. Die neue Krone kann auch zur Verankerung einer Brücke dienen.

Indikationen

  • (Anwendungsgebiete)
    bei physiologisch belasteten Frontzähnen mit vertikalen Dentinwänden unter 2 mm
  • bei unter erhöhter Belastung stehenden Frontzähnen mit vertikalen Dentinwänden über 2 mm

Sport

Besserer Lernerfolg durch Sport

An der altbekannten Empfehlung, das Lernen oder Arbeiten am Schreibtisch durch etwas körperliche Bewegung auszugleichen, ist tatsächlich etwas dran. Zum einen hilft es, den Körper zu lockern und sämtliche Muskelfunktionen auf Trab zu bringen. Zum anderen haben Wissenschaftler einer niederländischen Universität bestätigt, dass sportliche Betätigung vier Stunden nach dem Lernen die Gedächtnisleistung steigert und somit zu einem besseren Lernerfolg führt.

Die Studenteilnehmer wurden in drei Gruppen unterteilt: Während die erste Gruppe nach einem 40-minütigen Gedächtnisspiel nicht sportlich aktiv war, nahm die zweite Gruppe an einem 35-minütigen Trainingsprogramm teil. Die dritte Gruppe begann mit dem Training erst vier Stunden nach dem Gedächtnisspiel. Bei allen Gruppen wurde nach 48 Stunden mittels einer MRT-Untersuchung der Lernerfolg ermittelt.

Im Ergebnis zeigte sich, dass die dritte Gruppe im Test am erfolgreichsten abschnitt. Eine sportliche Betätigung nach etwa vier Stunden führt demnach zur besseren Gedächtnisbildung und zu höherem Lernerfolg.

Dieses Studienergebnis zeigt wieder einmal, wie wichtig Sport für die Gehirnleistung ist. Auch weitere Studien konnten bereits bestätigen, dass Sport beispielsweise auch eine sehr wichtige Maßnahme gegen eine Alzheimer-Erkrankung darstellt.

Gesundes Herz-Kreislauf-System dank Radfahren

Viele Menschen leiden an zu hohem Blutdruck, erhöhten Cholesterinwerten, einem überhöhten Körperfettanteil oder an hohen Blutzuckerwerten. Nicht ohne Grund spricht man in diesem Zusammenhang von den häufigsten Zivilisationskrankheiten. Das Herz-Kreislauf-System vieler Menschen der westlichen Länder ist infolge ungesunder Lebensgewohnheiten gefährdet.

Das Ergebnis einer skandinavischen Studie zeigt wieder einmal, wie einfach es ist, dieser Gesundheitsgefährdung vorzubeugen: Regelmäßiges, intensives Radfahren beispielsweise, auch über kurze Strecken, leistet einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die Daten von 20.000 Männern und Frauen aus Schweden im Alter von etwa 40 Jahren wurden näher unter die Lupe genommen. Die Daten stammten aus einem 10-jährigen Beobachtungszeitraum. Bei der Auswertung zeigte sich, dass sowohl die Studienteilnehmer, die während der gesamten Beobachtungszeit regelmäßig Rad gefahren sind, als auch diejenigen, die erst später aufs Rad gestiegen sind, ihrem Herz-Kreislauf-System etwas besonders Gutes taten:

Sie hatten ein um 39 % reduziertes Risiko, an einer Fettleibigkeit und den weiteren gesundheitlichen Folgen zu erkranken im Vergleich zu den Menschen, die sich bequem mit Auto, Bus und Co. fahren ließen.

Die Studienautoren weisen darauf hin, dass es vor diesem Hintergrund keine Rolle spielt, lange Strecken zu radeln, sondern auch kurze, intensive Leistungsspitzen zu erreichen.

Beauty und ästhetische Medizin

Das Struwwelpeter-Syndrom – warum lassen sich manche Kinderhaare nicht bändigen?

Sehr krause, trockene Haare, meistens hellblond und kräftig glänzend – so lassen sich die Haare mancher Kinder beschreiben, die kaum zu bändigen und kämmen sind.  Das Syndrom der unkämmbaren Haare, seit 1973 in der Fachliteratur auch als sogenanntes „Struwwelpeter-Syndrom“ bekannt, ist in der Kindheit am ausgeprägtesten und nimmt mit den Jahren ab.

Bisher gab es noch wenig Hintergrundwissen zu dieser Form der Haar-Anomalie. Wie jetzt von der Universität in Bonn berichtet, ist sie wahrscheinlich auf genetische Ursachen zurückzuführen. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler, nachdem sie das Erbmaterial unterschiedlicher Betroffener näher untersuchten.

Sie stellten fest, dass die Erbanlagen für drei wichtige Enzyme und Haarproteine bei den Betroffenen derart verändert sind, dass die feine Vernetzung einzelner Haarpartikel ausblieb. Die bekannte Struktur und Form der Haare war deshalb nicht gegeben.

Die fehlerhafte Bauanleitung der Haare hat im Falle eines Struwwelpeter-Syndroms zur Folge, dass die Stabilität der Haare nicht gegeben ist, was für die Betroffenen lästig ist und nicht selten auch zur Belastung der Psyche wird. Mit weiteren gesundheitlichen Folgen wie bei manchen anderen Haar-Anomalien ist aber nicht zu rechnen, so die Wissenschaftler.

Modeschmuck mit Blei und Cadmium belastet

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) weist darauf hin, dass Modeschmuck häufig mit Blei- und Cadmium-Gehalten belastet sind, die oberhalb der erlaubten Grenzwerte liegen. Da diese Produktgruppe vor einem Jahr bereits durch erhöhte Chromwerte aufgefallen war, nahm die Behörde sie erneut in Bezug auf Cadmium- und Bleigehalte unter die Lupe.

Im Ergebnis zeigte sich, dass bei 12 % der 262 untersuchten Proben Bleiwerte über dem zulässigen Grenzwert nachgewiesen wurden. Sie enthielten demnach über 500 mg Blei pro Kilogramm Probe. In einem Einzelfall bestand der Verschluss einer Kette sogar zu 100 % aus Blei. Das Schwermetall Blei gilt bekanntermaßen als gesundheitsgefährdend, weil es zu Schädigungen des Nervensystems führt und Unfruchtbarkeit hervorrufen kann.

Bei 10 % der Proben lagen die Cadmium-Gehalte höher als der erlaubte Mindestwert von 100 mg/kg. Das Übergangsmetall kann Schäden an Nieren und Knochen hervorrufen.

Besonders gefährlich kann sich der belastete Modeschmuck auf die Gesundheit auswirken, wenn er vom Träger in den Mund genommen oder gar verschluckt wird. In solchen Fällen sind folgenschwere Vergiftungen möglich, so die Aussagen des BVL.

Vitalstoffe und Ernährung

Vitamin D verbessert Zuckerstoffwechsel

Vitamin D-Einnahmen können den Zuckerstoffwechsel von gesunden Menschen unterstützen. Die Wissenschaftler teilten 96 gesunde Teilnehmer in zwei Gruppen. Während eines Zeitraumes von einem Jahr erhielt die eine Gruppe täglich 10,5 µg (420 IE) Vitamin D und die andere Gruppe ein Placebo, also  ein gleich aussehendes Produkt ohne wirksame Inhaltsstoffe.

Ergebnisse
Nach Ende des Studienzeitraums zeigte sich, dass die Vitamin D-Konzentration im Blut der Vitamin D-Gruppe deutlich (signifikant) gestiegen war (25(OH)D um 29,5 nmol/l, 1,25(OH)D um 7,0 pg/ml). Bei Ihnen konnte auch eine signifikante Abnahme des (Nüchtern-) Blutzuckerspiegels und der Insulinresistenz (HOMA-IR) festgestellt werden.

Zusammenfassung
Die Studienergebnisse zeigen, dass Vitamin D-Einnahmen den Zuckerstoffwechsel verbessern und somit der Entwicklung einer Diabeteserkrankung entgegenwirken könnten.

Hinweis zum Versorgungszustand von Vitamin D (Nationale Verzehrstudie II 2008)
In der Altersgruppe ab dem 19. LJ. erreichen über die normale Ernährung 0 % der Frauen und Männer die Zufuhr-Empfehlung, weshalb den am schlechtesten Versorgten circa 19,2 µg Vitamin D fehlen. (DGE-Empfehlung: 20 µg/Tag)

Probiotika senken Körpergewicht und BMI

Der Verzehr von probiotischen Kulturen kann das Körpergewicht reduzieren. Eine im International Journal of Food Science and Nutrition veröffentlichte (Meta-) Analyse fasste die Ergebnisse von 25 (RCT-) Studien zu diesem Thema zusammen. Alle verwendeten Studien untersuchten die Wirkung von probiotischen Kulturen auf das Körpergewicht und den Body-Mass-Index (BMI) von über 18-jährigen Teilnehmern.

Ergebnisse
Die Einnahme von probiotischen Kulturen hatte nach Einbezug aller Studienergebnisse eine deutliche (signifikante) Wirkung, und zwar die einer Körpergewichtsreduktion und einer BMI-Abnahme. Die Wirkung war größer, wenn verschiedene probiotische Kulturen miteinander kombiniert wurden, die Einnahme länger als 8 Wochen dauerte oder die Teilnehmer übergewichtig waren.

Zusammenfassung
Die Einnahme probiotischer Kulturen ist ein wichtiger Bestandteil von Gewichtsreduktionstrategien für Übergewichtige.

Anti-Aging – Alt werden, jung bleiben

Geht die Zahl der demenzkranken Senioren doch zurück?

Viele Menschen sind von einer Demenz betroffen. Die Befürchtung, dass es immer mehr Demenzkranke geben wird, scheint unbegründet, so lautet das Ergebnis einer US-amerikanischen Studie.

Da immer mehr Menschen ein höheres Lebensalter erreichen und somit die Anzahl der Senioren zunimmt, wurde angenommen, dass auch das Demenzrisiko anteigen würde. Eine aktuelle Auswertung einer Befgragung an 20.000 Amerikanern im Alter von über 50 Jahren ergab jedoch das Gegenteil: Seit Beginn dieses Jahrhunderts hat die Zahl der dementen über 65-Jährigen um etwa 25 % abgenommen. 

Dieses Ergebnis war nicht zu erwarten, da die typischen Faktoren, die das Risiko einer Demenz erhöhen können, eigentlich angestiegen sind. Dazu gehören die Fettleibigkeit, Diabetes mellitus, erhöhter Blutdruck oder Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems.

Es wird angenommen, dass die scheinbar bessere medizinische Versorgung dazu führt, dass diese Risiken nicht mehr so ausschlaggebend sind wie zuvor. Des Weiteren führt eine zu beobachtende Zunahme des Bildungsniveaus dazu, dass das gesundheitsbewusste Ziel, sich ausgewogen zu ernähren, sich ausreichend körperlich zu bewegen und auf das Rauchen zu verzichten von mehr Menschen umgesetzt wird als bisher.

Erhöht Bluthochdruck das Risiko für Nierenschwäche im Alter?

Viele Menschen leiden im Alter unter einer eingeschränkten Nierenfunktion. Bei den über 65-Jährigen kommt es nicht selten zur chronischen Niereninsuffizienz. Hierzulande sind 1.050 Menschen pro eine Million Einwohner betroffen. Die Anzahl der Dialysepatienten hat seit dem Jahre 1995 um 50 % zugenommen.

Ist dieser Anstieg ausschließlich dem normalen Alterungsprozess zuzuschreiben? Oder gibt es weitere Faktoren, die das Risiko einer Niereninsuffizienz bei den Betroffenen erhöhen?

Wissenschaftler aus Island haben nun feststellen können, dass ein Bluthochdruck, der im Alter zwischen 50 und 80 Jahren aufgetreten ist, eine Niereninsuffizienz eher begünstigt als das Alter. Von den 800 Studienteilnehmern entwickelte fast die Hälfte chronische Nierenschäden.

Dabei konnte ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Bluthochdruck in mittleren Jahren und einer späteren Nierenerkrankung belegt werden: Enstprechende Bluthochdruck-Patienten zeigten im Alter verhältnismäßig häufiger chronische Beeinträchtigungen der Nierenfunktion.